Die Modalverben néng 能, huì 会/會 und kěyǐ 可以 stehen alle nach dem Subjekt und vor dem Hauptverb des Satzes. In vielen Kontexten werden sie mit ‘können’ übersetzt. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrer Verwendung: néng 能 betont einerseits das Besitzen einer Fähigkeit, andererseits das Vorliegen einer an bestimmte Umstände gebundenen Möglichkeit. Huì 会/會 verweist auf eine erlernte oder erworbene Fähigkeit und kěyǐ 可以 wird in Kontexten verwendet, in denen es darum geht, Erlaubnis oder Zustimmung auszudrücken. Darüber hinaus kann huì 会 die Vorhersagbarkeit eines zukünftigen Ereignisses markieren. In diesem Fall lässt sich es im Deutschen mit ‘werden’ übersetzen.
Funktionen im Vergleich
1. Néng 能 und huì 会/會: Ausdruck einer Fähigkeit oder eines Vermögens
Wenn man über eine Fähigkeit oder ein Vermögen sprechen möchte, kann man dafür néng 能 oder huì 会/會 verwenden. In diesem Fall betont néng 能 das Besitzen einer bestimmten Fähigkeit oder das Vorliegen einer umstandsabhängigen Möglichkeit im Sinne von ‘fähig sein (zu)… ’; huì 会/會 dagegen impliziert, dass die Fähigkeit oder Fertigkeit erlernt oder erworben wurde (im Sinne von ‘wissen, wie… ’).
In diesem Beispiel kann néng 能 nicht durch huì 会/會 ersetzt werden, da für ein Mobiltelefon und einen Computer der Zugang zum Internet keine erlernte Fähigkeit darstellt. Der folgende Satz veranschaulicht die unterschiedlichen Implikationen:
Die folgenden Beispiele zeigen die unterschiedlichen Bedeutungen von néng 能 und huì 会/會, wenn sie im selben Kontext verwendet werden:
Wenn die Modalverben wie in den obigen Beispielen verwendet werden, können ihnen Gradadverbien und Gradadverbialphrasen wie hěn 很 ‘sehr’ oder bú tài 不太 ‘nicht sehr’ vorangestellt werden, um verschiedene Abstufungen der Intensität anzuzeigen.
Im Zusammenhang mit körperlichen Fähigkeiten können quantitative Ausdrücke hinzugefügt werden:
Im Unterschied hierzu kann der gleiche Satz mit huì 会/會 statt mit néng 能(Wáng xiānsheng huì chī wǔ wǎn fàn王先生会吃五碗饭/王先生會吃五碗飯) nicht als Ausdruck einer Fähigkeit, sondern als Verweis auf eine zukünftige Handlung verstanden werden: “Herr Wang wird fünf Schalen Reis essen“.
Wenn im gleichen Satz kěyǐ 可以 verwendet wird (Wáng xiānsheng kěyǐ chī wǔ wǎn fàn 王先生可以吃五碗饭), kann dies auf zwei Arten verstanden werden: “Herr Wang kann fünf Schüsseln Reis essen“ (weil seine körperliche Verfassung es ihm erlaubt) oder “Herr Wang darf fünf Schüsseln Reis essen“.
2. Néng 能 und kěyǐ 可以: Ausdruck einer Möglichkeit
Um zu erfragen, ob es möglich wäre, etwas zu tun, können entweder néng 能 oder kěyǐ 可以 verwendet werden. Antworten auf diese Fragen sind xíng 行 und kěyǐ 可以 ‘ja’ oder bù xíng 不行 ‘nein’.
3. Besondere Verwendungskontexte
3.1 Kěyǐ 可以: Ausdruck eines Vorschlags
Wenn man ausdrücken möchte, dass die Möglichkeit dazu besteht, dass jemand etwas tut/tun könnte, kann man dazu kěyǐ 可以 verwenden. In manchen Situationen wird dies als Vorschlag aufgefasst:
3.2 Néng 能: Ausdruck einer situationsbedingten objektiven Möglichkeit
Eine besondere Verwendung von néng 能 ergibt sich, wenn eine bestimmte Situation oder ein bestimmter Grund ausdrücklich genannt wird. In diesem Zusammenhang zeigt néng 能 an, dass etwas objektiv möglich oder unmöglich ist.
In diesem Zusammenhang sind néng 能 und kěyǐ 可以 nicht austauschbar. Der Satz Wǒ shēng bìng le, bù kěyǐ shuō huà 我生病了,不可以说话 kann ausschließlich als “Ich darf nicht sprechen, weil ich krank bin” verstanden werden.
3.3 Néng 能 und kěyǐ 可以: Ausdruck einer Erlaubnis
Néng 能 und kěyǐ 可以 können in einer Situation, in der um Erlaubnis gebeten wird, verwendet werden. Antworten auf diese Art von Erlaubnisfragen sind xíng 行 und kěyǐ 可以 ‘ja’ oder bù xíng 不行 ‘nein’.
Zu beachten ist, dass kěyǐ 可以 in einer Frage nach Erlaubnis nur in einer Entscheidungsfrage verwendet werden kann.
Für Verbote können die Negationsformen bù néng 不能 ‘nicht können/dürfen’ und bù kěyǐ 不可以 ‘nicht erlaubt (sein)’ verwendet werden; bù kěyǐ 不可以 ist dabei etwas weniger formell.